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Ganztagsschule als kreatives Feld – 50 Jahre Ganztagsschulverband
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Ganztagsschulkongress im Haus des Landessportbundes |
Die Entwicklung und Reform von Ganztagsschulen in Deutschland hat sich der Ganztagsschulverband auf die Fahne geschrieben. Auf dem Ganztagsschul-Kongress vom 2. - 4. November 2005 in Frankfurt am Main feierte dieser sein 50-jähriges Bestehen. Die Veranstaltung lief unter dem Motto „Ganztagsschule als kreatives Feld – Reformpädagogischer Ansatz – Praxiserfahrung – Innovation“, an der auch das Team von Freie Lernorte teilnahm.
Tenor war, dass gerade Ganztagsschulen für kreative und reformpädagogische Ansätze bestens geeignet sind. Es bedarf aber noch viel Entwicklung und Ausbau sowohl auf schulischer als auch auf Landes- und Bundesebene, damit die Schülerinnen und Schüler eine optimale und gleichberechtigte Bildung erhalten können.
Reformpädagogischer Ansatz, Praxis und Innovation
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Stefan Appel (re.) begrüßt Georg Rutz |
„Reformpädagogischer Ansatz, Praxis und Innovation gehören zusammen“, so begrüßte der Bundesvorsitzende Stefan Appel die 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Schule würde zu wenig als lebendiges und kreatives Feld gesehen. Gerade Ganztagsschule dürfe nicht Gefahr laufen, eine „verschulte Schule“ zu werden, sonder müsse sich als Kinder- und Jugendstätte sehen, in der die Kinder und Jugendlichen einen großen Teil ihrer Zeit verbrächten. Sein Ziel ist, so Appel, solange für die Ganztagsschule zu werben und ihre Entwicklung voran zu treiben, bis sich der Verband in 50 Jahren auflösen kann.
Viele sind schlauer als Einer
„Fast immer sind Gruppen klüger als der Einzelne.“, konstatierte Prof. Olaf Axel Burow von der Universität Kassel in seinem Vortrag über „Ganztagsschule als Kreatives Feld“. Nicht so sehr der einzelne Experte, sondern die kollektive Intelligenz einer Gruppe erziele bei der Problemlösung die höchste Trefferquote. Burow bezog sich dabei auf eine Veröffentlichung des US- Wirtschaftsjournalisten James Surowiecki „Die Weisheit der Vielen“. Für eine erfolgreiche Ganztagsschulentwicklung bedeute das, dass möglichst vielfältige Gruppen wie Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Eltern und natürlich die Schülerinnen und Schüler den Schulalltag gestalten und bestimmen sollten. Für die Ganztagsschule brauchen wir Rahmenbedingungen, so Burows Fazit, die alle Beteiligten zur kreativen und eigenständigen Arbeit animieren, ohne dass Vorgaben und Reglements sie demotivieren.
Deutschland hat die besten Voraussetzungen
Andreas Schleicher, Leiter der Abteilung Indikatoren und Analysen bei der OECD in Paris und zuständig für Programmes for International Student Assessment (PISA) stellte in seinem Vortrag zur „Gestaltung der Ganztagsschule im internationalen Vergleich“ fest, dass sich in vielen anderen Ländern das Bildungssystem in den letzten Jahren deutliche verbessert hat. Nur in Deutschland stagniert es. Ein Grund hierfür sei ein im Bildungssystem vorherrschender Zentralismus von 16 Bundesländern. Schulen brauchen hingegen viel mehr Freiraum, so Schleicher, um im internationalen Vergleich aufholen zu können. Sie selbst müssten zu einer Lernorganisation werden und ihre eigenen Lehrpläne abgestimmt auf die Fähigkeiten ihrer Schüler entwickeln, anstatt auf vorgegebene Konzepte „von oben“ zu warten. Das gegliederte Schulsystem in Deutschland, so Schleicher, verstärke soziale Ungleichheiten.
Grundsätzlich stehe es um Deutschland aber gar nicht so schlecht, denn es hätte die besten Voraussetzungen für Chancengleichheit. Die Entwicklung der Ganztagsschule wäre da ein Schritt in die richtige Richtung. Eine zukünftige Herausforderung an alle Schulen sei eine strategische Entwicklung, universelle und anspruchsvolle Standards, Transparenz für Schüler, Eltern und Lehrer sowie Ergebnisorientierung und Eigenverantwortung der Schule. Um dies umzusetzen benötige Schule viel Raum und Zeit, welche die Ganztagsschule idealerweise böte.
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Am Messestand von Freie Lernorte | Praxisnahe Anregungen
Neben vielen Vorträgen konnten die Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer verschiedene Ganztagsschulen aus dem Raum Frankfurt / Wiesbaden besuchen und sich gemeinsam mit den Schulleitern über Konzepte und Problematiken austauschen. Der dritte Tag war dann den Workshops vorbehalten, in denen man sich mit unterschiedlichen Themen wie Kooperation mit der Jugendhilfe oder Raumgestaltung bis hin zu Erlebnispädagogik in der Ganztagsschule auseinander setzen konnte. In einer großen Turnhalle des Landessportbundes war der Ausstellungsbereich, in dem sich verschiedene Firmen und Projekte den Kongressteilnehmern präsentieren konnten. Auch Freie Lernorte - Raum für mehr informierte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Projektinhalte und die neue Ausschreibung für das Schuljahr 2006/07.
Hier finden Sie mehr Informationen zum Ganztagsschulverband.
Einen weiteren ausführlichen Bericht finden Sie bei Ganztagsschulen – Zeit für mehr.
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