Startseite | Ganztagsschule & Medien | Empfehlungen | Pädagogische Aspekte
Pädagogische Aspekte
Einleitung Pädagogische Aspekte Aspekt Technik Aspekt Fortbildungen
Ein auf die speziellen Bedürfnisse der Ganztagsschule ausgerichtetes pädagogisches Medienkonzept eröffnet in besonderer Weise Spielräume für den Einsatz neuer Medien: Eine umfassende, aktuelle, ortsunabhängige und damit selbstgesteuerte Recherche beispielsweise wird durch den freien Zugang zum Internet und zu Datenbanken erleichtert; die Kontaktaufnahme zu außerschulischen Institutionen (z. B. Suche nach Praktikumstellen, Rechercheanfragen etc.) wird durch E-Mail-Kommunikation deutlich verbessert; pädagogisch geeignete Lernsoftware fördert das individuelle Lernen u. a. im Fremdsprachen- oder im naturwissenschaftlichen Unterricht; Standardprogramme unterstützen professionelle Präsentationsformen oder Textarbeit; die Nutzung virtueller Arbeitsumgebungen ermöglicht die orts- und zeitunabhängige Kooperation zwischen Lernenden, Lehrenden und externen Kooperationspartnern. Darüber hinaus sind die neuen Medien selbst Gegenstand von Lernprozessen im Rahmen der Förderung von Medienkompetenz, wodurch nicht zuletzt eine wichtige Schlüsselqualifikation im Hinblick auf eine spätere berufliche Handlungskompetenz erworben wird.
Unsere Empfehlungen:
Schule öffnen Im Kontext der neuen Medien bieten sich in der Ganztagsschule auf zwei Ebenen Möglichkeiten, sich zu öffnen: Zum einen können außerschulische Partner Aufgaben im Rahmen der Vermittlung von Medienkompetenz übernehmen (z. B. Medien-AGs, Programmschulungen). Zum anderen erleichtert beispielsweise die Nutzung virtueller Lernumgebungen Eltern und anderen Interessierten den Einblick ins Schulleben. Umgekehrt können sie auch besser in die schulische Arbeit eingebunden werden.
Unterricht rhythmisieren Was für die Ganztagsschule im Allgemeinen gilt, gilt auch für die Medienarbeit innerhalb dieser Schulform: Phasen der Konzentration und Anspannung auf der einen und Zeiten der Erholung auf der anderen Seite müssen in einem sinnvollen, d.h. den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen entsprechenden Verhältnis zueinander stehen. Phasen, in denen im größeren Umfang am und mit dem Computer gearbeitet wird, sollten daher durch „computerfreie“ Phasen der Erholung unterbrochen werden. Umgekehrt kann der Computer in Phasen, in denen nicht mit neuen Medien gelernt wird, durchaus auch einmal die Rolle eines „Spielzeuges“ übernehmen. Die entsprechende Software ist vorher selbstverständlich unter pädagogischen Gesichtspunkten zu prüfen.
Unterrichtsorganisation verändern Zieht der Übergang zur Ganztagsschule eine veränderte Organisation des Gesamtsystems Schule nach sich, so verändert der Einsatz neuer Medien in aller Regel die Unterrichtsorganisation: Arbeitsaufträge verändern sich, gegenseitiger Austausch gewinnt an Bedeutung, eigene Lösungswege treten verstärkt in den Vordergrund, Arbeitsprozesse müssen umstrukturiert werden, Kriterien der Leistungsbewertung verändern sich. Die Ganztagsschule bietet durch ihr vergrößertes Zeitkontingent und die damit einhergehenden verbesserten Möglichkeiten der Rhythmisierung, des fächerübergreifenden Arbeitens und der Auflösung des 45-Minuten-Taktes den geeigneten Rahmen, um die Forderung nach einer Integration der neuen Medien in den Unterrichtsalltag umzusetzen. Es gilt, die beschriebenen Möglichkeiten der Ganztagsschule in diesem Sinne zu nutzen.
Lehrer- bzw. Schülerrolle verändern Verändert sich die Organisation von Unterricht und außerunterrichtlichem Lernen durch den Einsatz neuer Medien, so verändern sich, wie die Erfahrung zeigt, zwangsläufig auch Lehrer- bzw. Schülerrolle. Durch die etwa beim Einsatz des Internets kaum noch mögliche Beibehaltung des „Wissensmonopols“ wird die Lehrkraft zunehmend zum Begleiter und Organisator von Lernprozessen, da Wissensmonopole durch einen verstärkt individualisierten Lernzugang u. U. schwinden, Gruppenarbeit, individualisiertes Lernen, Binnendifferenzierung und Projektarbeit ein größeres Gewicht bekommen und neben fachlichen und methodischen Fähigkeiten mediale und medienpädagogische Anforderungen gestellt werden. An die Stelle der Instruktion treten Beratung, Strukturierung und Förderung von Lernkompetenz. Aus fortbildungsdidaktischer Sicht ist dabei zu berücksichtigen, dass bestehende Hemmungen gegenüber dem Einsatz neuer Medien auch an Sorgen um die Veränderung der eigenen Rolle im Unterricht gekoppelt sind. Dies gilt im Übrigen auch für nicht ausgebildetes bzw. externes Lehrpersonal, welches in die schulische Medienarbeit eingebunden ist (Eltern, Erzieher, Experten aus Unternehmen etc.). Auf der anderen Seite ändern sich damit aber auch die Rolle und die Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler: Sie müssen mehr Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess übernehmen, können aber auch ihre Fähigkeiten und Erfahrungen im Bereich der neuen Medien verstärkt einbringen und beispielsweise ihre Mitschüler (oder z. B. auch die Lehrkraft) im Rahmen eines differenzierten Unterrichts gezielt unterstützen.
Sich an individuellen Bedürfnissen und Voraussetzungen orientieren Eine Orientierung an den individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Lernenden beim Einsatz neuer Medien innerhalb der Ganztagsschule ist notwendig. Ein lineares, einheitliches, engschrittiges Mediencurriculum steht dem Ansatz stärker individualisierten und selbstständigen Lernens entgegen. Dies gilt ganz besonders für die außerunterrichtliche Arbeit mit neuen Medien. Förderlich hingegen ist ein die individuellen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigendes, modular aufgebautes Medienkonzept, welches auf der Basis konkreter, komplexer werdender Problemstellungen Medienkompetenz fördert. Die inhaltlichen oder auch fachspezifischen Aspekte eines Medienkonzeptes sollen sich dabei auf die Vorgabe eines Handlungsrahmens beschränken und keine detaillierte Beschreibung von Inhalten sein.
|