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Alltagstaugliche Visionen für die Ganztagsschule
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| Visionen für die Ganztagsschule | „Wie sieht der ideale Freie Lernort an Ihrer Schule aus?“ Dieser Frage widmeten sich rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim zweiten Erfahrungsaustauschtreffen an der Gesamtschule Am Rosenberg im hessischen Hofheim. In einer zweitägigen Konzeptionswerkstatt entwickelten die Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam Raumkonzepte und pädagogische Maßnahmen für selbstgesteuerte und mediengestützte Lernprozesse an Freien Lernorten. Ihnen zur Seite standen erfahrene Schulentwickler und Medienexperten aus Deutschland, den Niederlanden und Schweden, die ihre Expertisen in die Diskussion einbrachten. Fazit der Veranstaltung: Auf Grundlage der erarbeiteten Maßnahmenpläne werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Visionen zu tragfähigen Konzepten für Freie Lernorte ausbauen.
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| Bernhard Enke |
Bernhard Enke, Schulleiter der Gesamtschule Am Rosenberg, begrüßte Vertreter der Projektschulen. Zwei Besonderheiten kann die Gesamtschule aufweisen: Zum einen hat sie eine frei zugängliche Medienbibliothek, die im nächsten Jahr um einen Neubau erweitert werden soll. Zum anderen ist an die Schule ein eigenes Freizeithaus für die Schülerinnen und Schüler angegliedert, in dem sie betreut von drei Erzieherinnen und einem Sozialpädagogen ihre Hausaufgaben machen, zu Mittag essen und verschiedenen Aktivitäten und Kursen nachgehen können. Unterricht und Freizeit sind dadurch auch räumlich voneinander getrennt was sich sehr positiv auf den Schulablauf auswirkt.
Die Weisheit der Vielen
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| Prof. Burow | Die Moderatoren Professor Dr. Olaf-Axel Burow und Bettina Pauli von der Universität Kassel führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Konzeptionswerkstatt ein. Bei der Entwicklung von Ganztagsschulen, so Burow in seinem Eingangsbeitrag, ist das Wissen der verschiedenen Akteure von besonderer Bedeutung, denn Gruppen sind fast immer klüger als Einzelne. James Surowiecki („Die Weisheit der Vielen“) habe festgestellt, dass bunt zusammen gewürfelte Gruppen häufig zu besseren Ergebnissen kämen als ein einzelner Experte. Das unterschiedliche Wissen, das alle Beteiligten des Erfahrungsaustauschtreffen zum Thema Ganztagsschule und Freie Lernorte besitzen, übersteigt daher zusammengebracht das eines Schulentwicklungsexpertens. Die Arbeit in Gruppen oder Teams ist nicht nur sehr erfolgreich, sie wirkt sich auch entlastend auf den Einzelnen aus. Sind Lehrerinnen und Lehrer bereit, sich vom Einzelkämpfer zum Teammitglied zu entwickeln, können sie auf ein inspirierendes und arbeitserleichterndes Synergiefeld zugreifen. „Veranstaltungen wie diese sind ein Modell für die moderne Lernkultur, denn hier beraten sich die Teilnehmer gegenseitig und nutzen ihre vorhandenen Potentiale“, betonte Burow.
Lehrer bauen runde Schulen
„Wenn Lehrer Visionen über Schule visualisieren, sind die Ergebnisse immer rund und flexibel. Dies steht im krassen Gegensatz zu den eckigen Schulgebäuden mit ihren langen Fluren, die Architekten für Verwaltungsgebäude bauen“, fasste Burow die Ergebnisse der Visionen zusammen. „Lehrer dagegen
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| Die Entstehung der Vision | würden keine eckigen Schulen bauen.“ Zuvor wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von den Moderatoren dazu angeregt, basierend auf der Methode der Zukunftswerkstatt, entwickelt von dem Zukunftsforscher Robert Jungk, Visionen zu entwickeln, um auf neue Ideen und Lösungswege für Ihre Freien Lernorte zu kommen. Hierzu begaben sich die Lehrkräfte zunächst auf eine Zeitreise: Jeder sollte sich vorstellen, wie in der Zukunft der optimaler Freier Lernort an seiner Schule aussehen könnte. Diesem Freien Lernort ordneten sie ein individuelles Symbol und eine Botschaft zu. Anhand ähnlicher Symbole konnten Gruppen gebildet werden, die gemeinsam eine Vision für Freie Lernorte erarbeiteten. Ausgestattet mit Flipchartpapier, Moderationskarten und Wachsmalkreiden machten sie sich ans Werk, die Visionen zu ihren Freien Lernorten zu visualisieren. Im Anschluss präsentierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Visionen zu Freien Lernorten.
Realität gewordene Vision
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| Hans Ahlenius |
Hans Ahlenius von der international renommierten Futurum Schule in Bålsta / Schweden zeigte in seinem Impulsreferat auf beeindruckende Weise auf, welche Erfolge mit neuen Raum- und Unterrichtskonzepten zu erzielen sind. „Jeder Mensch ist individuell, also braucht jeder Schüler auch individuelle Lehrpläne.“ Flexibilität sei hierbei das Hauptwort. Auch die Futurum Schule hat ihre Konzepte in einer Art Zukunftswerkstatt entwickelt. zusätzlich dauerte dieser Prozess eineinhalb Jahre, in denen sich die Lehrerinnen und Lehrer alle drei Wochen zusammensetzten. Ahlenius betonte die Wichtigkeit von konkreten Visionen: „Es ist wichtig, mit Visionen zu beginnen. In Deutschland sind oftmals die Strukturen noch zu unflexibel.“ Man kann das Konzept der Futurum Schule nicht einfach auf Deutschland übertragen. Jede Schule muss ihr eigenes Konzept gestalten und den individuellen räumlichen und pädagogischen Gegebenheiten anpassen. „Aber innovative und zukunftsweisende Beispiele, das zeigt diese Veranstaltung überdeutlich, gibt es auch hier.“
Mit dem Eindruck dieser zur Realität gewordenen Visionen fanden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wieder in ihren Gruppen zusammen, diskutierten ihre Konzepte und formulierten für den nächsten Tag Fragen an Fachexperten aus den verschiedenen Bereichen der Schulentwicklung und Medien.
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| Übung mit Professor |
Hier wird Schulen geholfen
Der Morgen des zweiten Tags begann mit Lockerungsübungen, bei der jeder Teilnehmer eine Übung vorzugeben hatte. „Auch hier kann man gut die Weisheit der Vielen nutzen“, so Burow, „denn jeder – auch Schüler – kennt mindestens eine Übung.“
Die Schulen konnten nun ihre vorbereiteten Fragen den nationale und internationale Experten stellen und sich zu ihren individuellen Problemlagen Beratung einholen. Über Fragen zu den Themen Mediencurricula, Mediendidaktik und der Akzeptanz der Idee der Freien Lernorte im Kollegium konnte
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| v.l.n.r.: Völker, Ahlenius, Schega, van der Laan, Höllen | Markus Schega von der Galilei-Grundschule in Berlin Auskunft geben. Die Schule hat selbst kindgerechte Computerarbeitsplätze in der Grundschule eingerichtet (vgl. Artikel „Von Waschbecken lernen“ bei lehrer-online) und verfügt daher über einige praktische Erfahrung. Wie werden Vorschriften wie Brandschutz oder Lärmschutz in Schweden gehandhabt? Wie wird der Schulalltag in Schweden organisiert? Mit diesen Fragen befasste sich Hans Ahlenius. Architektonische Fragen wie Gestaltung von Gängen für Gruppenarbeitsplätze aber auch pädagogischer Konzepte zum Medieneinsatz diskutierten Ad van der Laan und Willem van Dam von der niederländischen KPC Groep, einer Organisationsberatung für Schulen, mit den Lehrerinnen und Lehrern. Norbert Völker vom ekz Bibliotheksservice war Experte für Fragestellungen rund um das Thema Mediothekseinrichtung und einfach zu handhabende Software für den Bibliotheksbetrieb. Auch Schulen ans Netz e. V. schickte einen Experten: Michael Höllen vom Projekt it-works beantwortete Fragen zu Themen wie Einsatz von Filtersoftware und Systemlösungen für Schulen.
Von der Vision zum Plan für den Alltag
Die Erkenntnisse aus der Expertenberatung nutzen die Lehrkräfte nun in der Umsetzungsphase. In
Maßnahmenplänen legten die Schulen fest, welche Schritte sie in der nächsten Zeit gehen werden, wer für welche Aufgabe zuständig ist und welche Synergien sie sich nutzbar machen können. So werden aus den Visionen konkrete Maßnahmen für Freie Lernorte.
Große Zufriedenheit zeichnete die Stimmung bei den Teilnehmern aus: „Ich finde es großartig, sich mit Kollegen aus allen Bundesländern und aus allen Schuformen auszutauschen. Dadurch entsteht ein sehr großer Erfahrungsschatz, der der schulischen Praxis nachhaltig zugute kommt“, so Petra Thümmel von der IGS Grünthal in Mecklenburg-Vorpommern.
Insgesamt 19 verschiedene Projektideen sind so auf der Hofheimer Veranstaltung entwickelt worden. Fest stand, dass trotz verschiedener Länder eine übergreifend einheitliche Vision darüber besteht, wie eine gute Schule mit Freien Lernorten auszusehen hat. In schulübergreifenden Teams werden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun daran machen, die vielseitigen Konzepte u. a. für Bibliotheken, Leseecken und Methodenkompetenzcenter am konkreten Praxisbedarf auszurichten. Beim nächsten Erfahrungsaustauschtreffen im Sommer in Stralsund werden dann die weiteren Entwicklungsschritte zu begutachten sein.
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